Früher
Manches gerät mit der Zeit in Vergessenheit – Bilder, Geschichten und kleine Begebenheiten, die Schaephuysen einst geprägt haben.
Hier möchten wir solche Fundstücke bewahren und wieder ans Licht holen: alte Aufnahmen vom Straßenkarneval der 1980er-Jahre, Erinnerungen an das beliebte Zeltlager, das über vier Jahrzehnte Kindern erlebnisreiche Sommerferien bescherte, und viele andere Bilder aus dem Dorfleben vergangener Zeiten.
Aber auch Geschichten gibt es zu entdecken: etwa die von Schauspieler Manfred Krug, der für Dreharbeiten nach Schaephuysen kam, oder historische Begebenheiten, die heute kaum noch jemand kennt.
Eine kleine Sammlung zum Stöbern, Erinnern und Staunen – damit die Geschichten unseres Dorfes nicht verloren gehen.
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Fotos vom Straßen-Karneval in Schaephuysen von 1983 - 1988 Klick dich durch!
Fotos aus 40 Jahren Zeltlager KJG/Jugendferienwerk
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Videos aus Schaephuysen
Das gibt's hier zu entdecken:
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Was Manfred Krug am Bahnhof in Schaephuysen machte
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Eine Straße zwei Gemeinden - Als ein Teil des heutigen Tönisbergs zu Schaephuysen gehörte
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Kaplan gegen Bürgermeister - Als in Rheurdt und Schaephuysen die Dorfpolitik plötzlich spannend wurde
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Töpfchens Reiseabendteuer - Eine Geschichte die zwischen Moers und Rheurdt passierte
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Die Schlacht am Hahnenberg
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Schaephuysener Gemeindenotizen aus dem 19. Jahrhundert - von Jakob Teilmans
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War Napoleon in Schaephuysen?
- Brautleute beim Standesamt Schaephuysen zum Alkoholverzehr genötigt
Was Manfred Krug am Bahnhof in Schaephuysen machte …
Der Schaephuysener Bahnhof wurde um 1908 entlang der Kreisbahnstrecke Moers–Vluyn–Schaephuysen–Rheurdt–Sevelen errichtet. Am Ortsrand gelegen, ist er für viele Schaephuysener mit Erinnerungen verbunden – an die bis zum Jahr 2000 stattfindenden „Schluff“-Fahrten, an Begegnungen und an kleine Geschichten, die sich rund um diesen besonderen Ort ereignet haben.
Eine dieser Geschichten reicht zurück in die 80er-Jahre und wurde von Markus Cox erzählt:
„Wir waren Jungs, Baujahr 1970, und fuhren mindestens zweimal in der Woche mit dem Fahrrad zum Fußballtraining. Der Weg führte uns dabei immer am Bahnhof vorbei. Doch an einem Abend war dort plötzlich etwas anders als sonst: Mehrere Lastwagen standen vor dem Gebäude und ungewöhnlich viel Betrieb herrschte rund um den Bahnhof.
Natürlich wurden wir neugierig.
Wir drückten unsere Nasen an die Fensterscheiben des Gastraumes – und tatsächlich: Dort saß Manfred Krug, den wir damals aus der beliebten ARD-Vorabendserie „Auf Achse“ kannten.Für uns war das eine kleine Sensation.
Wie wir später erfuhren, fanden an diesem Abend Filmaufnahmen mit Manfred Krug, Klaus Löwitsch und Ute Willing statt. Wir waren damals – und tatsächlich noch bis vor einigen Jahren – überzeugt, dass für „Auf Achse“ gedreht wurde. Doch damit lagen wir falsch.“
Eine Überraschung fast 40 Jahre später
Im Oktober 2020 wurde die Facebook-Gruppe „Altes aus Rheurdt und Schaephuysen“ gegründet. Die Idee dahinter war, alte Fotos aus den Bildbänden der Gemeinde über Facebook einer größeren Öffentlichkeit zugänglich zu machen und gleichzeitig den Menschen die Möglichkeit zu geben, eigene private Aufnahmen und Erinnerungen beizusteuern.
In diesem Zusammenhang wurde eine alte Postkarte mit dem Schaephuysener Bahnhof veröffentlicht und man erzählte von der Begegnung mit Manfred Krug.
Und dann kam die Überraschung.
Ein Mitglied der Gruppe, Hans S., konnte das Rätsel lösen: Die Aufnahmen waren tatsächlich für eine Fernsehserie entstanden – allerdings nicht für „Auf Achse“, sondern für
„Detektivbüro Roth“.
Gedreht wurde die vierte Folge mit dem Titel
„12.000 Jeans auf Termin“. Wer genau hinschaut, kann den Schaephuysener Bahnhof sogar in der Folge wiederentdecken.
Doch damit war die Geschichte noch nicht zu Ende.
„Alle zusammen in einem Haus“
Eine damalige Bewohnerin des Bahnhofs, Barbara B., meldete sich ebenfalls zu Wort. Sie erinnerte sich noch sehr genau an die Dreharbeiten und schrieb:
„Ich hab ja im Bahnhof gewohnt, das ganze Haus wurde mitbenutzt. Wir Statisten mussten genau nach Anweisung spielen, war echt irre, Klaus Löwitsch, Oberschwester Hildegard, Ute von der Sesamstraße, Manfred Krug und Manfred Lehmann, alle zusammen in einem Haus zu haben. Während der Pausen habe ich so viel mit Manfred Krug gelacht, ein herrlicher Mensch.“
Plötzlich wurde aus einer Kindheitserinnerung eine kleine Zeitreise in die Vergangenheit unseres Dorfes.
In Schaephuysen gibt es noch viele Geschichten zu entdecken – manche bekannt, manche längst vergessen und manche, bei denen man sich fragt:
„Das ist wirklich hier passiert?“
Eine Straße, zwei Gemeinden
Als ein Teil des heutigen Tönisbergs zu Schaephuysen gehörte
Heute gehört Tönisberg komplett zu Kempen. Das war allerdings nicht immer so.
Bis 1929 verlief mitten durch den Ort eine Grenze, die es in sich hatte: Auf der einen Straßenseite lag Tönisberg im Kreis Kempen, auf der anderen Seite begann Schaephuysen im Kreis Moers.
Und das war keineswegs nur eine Linie auf einer Landkarte.
Für die Menschen bedeutete diese Grenze im Alltag: unterschiedliche Verwaltungen, unterschiedliche Zuständigkeiten – und jede Menge Ärger.
Tönisberg wollte endlich ein ganzes Dorf sein
Die ungewöhnliche Situation hatte eine lange Vorgeschichte. Die Grenze ging auf die alten Honschaftsgrenzen zwischen Stenden und Schaephuysen zurück und wurde später zur Kreisgrenze.
So kam es, dass ein Teil des Dorfes Tönisberg – der Bereich Lind – zur Gemeinde Schaephuysen gehörte.
Rund 300 Menschen lebten dort.
Kirche und Schule lagen dagegen auf Tönisberger Gebiet. Auch der Friedhof gehörte Tönisberg, wurde aber von den Schaephuysenern aus Lind mitbenutzt.
Man könnte sagen: Man ging gemeinsam zur Kirche, die Kinder gingen gemeinsam zur Schule – aber politisch gehörte man nicht zusammen.
Und natürlich blieb es nicht bei solchen Kleinigkeiten.
Wenn der Brief zwei Tage zu spät kommt
Besonders kurios war die Post.
Der Schaephuysener Teil von Lind war postalisch mit Tönisberg verbunden. War ein Brief allerdings nach Schaephuysen adressiert, konnte er zunächst den Umweg über Tönisberg nehmen.
Auf solchen Sendungen stand dann sinngemäß: „Durch Tönisberg zu bestellen.“
Das konnte schon einmal zwei Tage zusätzliche Postlaufzeit bedeuten.
In Zeiten, in denen es um Einberufungsbefehle ging, war das alles andere als lustig.
Und dann war da noch die Polizei
Auch die Polizei musste sich an die Grenze halten.
Der Landjäger auf Schaephuysener Seite durfte auf der gegenüberliegenden Tönisberger Straßenseite nicht einfach tätig werden. Wenn auf Schaephuysener Seite um Mitternacht die Polizeistunde begann, konnte der Nachbar auf Tönisberger Gebiet offenbar noch etwas länger sitzen bleiben.
Die Gaststätten lagen schließlich direkt gegenüber.
Der damalige Rheurdter Bürgermeister Otto Komp beschrieb 1927 die Situation ziemlich deutlich: Auf Schaephuysener Seite sorgte der Landjäger pünktlich für „Feierabend“, während sich auf der anderen Straßenseite niemand dafür zuständig fühlte.
Hier zwölf Uhr – dort noch ein Bier.
Das sorgte natürlich für Ärger unter den Wirten.
Der Kirmeskrieg
Noch schöner wurde es bei der Kirmes.
Denn auch die Kirmes machte vor der Grenze nicht Halt – die Einnahmen allerdings schon.
Tanzzelt und Kirmesbuden standen je nach Standort entweder auf Tönisberger oder auf Schaephuysener Boden. Und damit stellte sich eine ziemlich einfache Frage:
Wer kassiert?
Die Wirte beider Seiten kämpften darum, wo Zelt und Kirmesgeräte aufgebaut werden sollten. Weil man sich offenbar nur selten einigen konnte, entstand ein regelrechter Konkurrenzkampf.
Komp berichtete später von einem „scharfen Konkurrenzkampf“ unter den Wirten, bei dem am Ende das Kunststück gelang, dass keiner etwas verdiente.
Dorfpolitik kann manchmal erstaunlich kreativ sein.
Schaephuysen wollte sein Stück nicht hergeben
1920 wurde der Streit ernst.
Der Verkehrsverein Tönisberg wandte sich an das preußische Abgeordnetenhaus in Berlin und forderte, den Schaephuysener Teil von Tönisberg endlich mit Tönisberg zu vereinigen.
Die Argumente waren nachvollziehbar: Der Ort bilde längst eine wirtschaftliche und gesellschaftliche Einheit.
Doch in Schaephuysen dachte man zunächst ganz anders.
Der Gemeinderat lehnte eine Abtretung ab. Schließlich ging es um Gemeindegebiet, Einwohner und Steuereinnahmen.
Und Schaephuysen hatte sogar einen Gegenvorschlag:
Warum sollte nicht gleich Tönisberg zu Schaephuysen kommen?
Damit wären beide Orte unter einer Verwaltung gewesen und die ganze Grenzgeschichte hätte ein Ende gehabt.
Aber auch Lind hatte seine eigene Meinung
Besonders interessant wird es bei den Menschen, die direkt an der Grenze lebten.
Viele Bewohner des Schaephuysener Teils Lind wollten tatsächlich eine Veränderung. Sie hatten schließlich die kürzesten Wege nach Tönisberg – während das Schaephuysener Bürgermeisteramt für sie rund eineinhalb Stunden Fußweg entfernt lag.
Bei einer Erklärung unterschrieben 69 Bewohner, dass sie eine Abtrennung von Schaephuysen akzeptieren würden – allerdings unter einer Bedingung:
Tönisberg sollte anschließend möglichst zum Kreis Moers gehören.
Das zeigt, wie kompliziert die Sache war. Es ging längst nicht mehr nur um die Frage „Schaephuysen oder Tönisberg?“, sondern auch um die Frage „Kempen oder Moers?“
Es ging sogar ums Bezahlen
Die Grenze sorgte auch bei ganz praktischen Dingen für Streit.
Wer bezahlt die Schule?
Wer unterhält den Entwässerungsgraben?
Wer bezahlt die Straßenbeleuchtung?
Wer bekommt die Steuern?
Und wer bezahlt eigentlich die Kosten, wenn beide Seiten von einer Sache profitieren?
Ein besonders schönes Beispiel ist die Straßenrinne: Sie lag an der Schaephuysener Seite, wurde aber auf Kosten Tönisbergs erneuert.
Beim elektrischen Licht wollte Schaephuysen dagegen nicht mitzahlen.
Gemeinsamer Ort, getrennte Kasse.
Neun Jahre Streit
Von 1920 bis 1929 wurde verhandelt, gestritten, gerechnet und wieder verhandelt.
Es gab Ortsbesichtigungen, Einwohnerversammlungen, Unterschriftensammlungen und immer neue Vorschläge für einen Grenzverlauf.
Schaephuysen versuchte weiterhin, zumindest einen Anschluss an Tönisberg unter einer gemeinsamen Verwaltung zu erreichen.
Doch am Ende entschied Berlin anders.
Mit dem Gesetz über die kommunale Neugliederung des rheinisch-westfälischen Industriegebietes wurde festgelegt:
Der südliche Teil der Gemeinde Schaephuysen wird der Gemeinde Tönisberg zugeschlagen.
Am 1. August 1929 war es soweit.
Die jahrhundertealte Grenze mitten durch Tönisberg war Geschichte.
Und Schaephuysen bekam noch eine Rechnung
Ganz erledigt war die Sache damit allerdings nicht.
Schaephuysen hatte durch die Abtretung rund 85 Hektar Fläche und 122 Einwohner verloren. Auch Steuereinnahmen und Anteile am Schulvermögen standen plötzlich auf der anderen Seite der neuen Grenze.
Das Rheurdter Bürgermeisteramt verlangte deshalb von Tönisberg zunächst 68.500 Reichsmark Entschädigung.
Es folgten zwei Jahre Verhandlungen.
Am Ende wurde eine Zahlung von 2.000 Reichsmark jährlich über 20 Jahre festgelegt – insgesamt 40.000 Reichsmark.
Und jetzt kommt die vielleicht schönste Pointe der ganzen Geschichte:
Die letzte Rate wurde erst am 17. April 1951 bezahlt.
Die Grenze war also längst verschoben.
Die Rechnung war noch offen.
Heute kaum noch vorstellbar
Heute fährt man durch Tönisberg und sieht keine Grenze mehr. Eine Straße, zwei Straßenseiten, ein Dorf.
Doch über viele Jahrzehnte war genau das anders.
Kirche und Schule auf der einen Seite, Gemeindegrenze auf der anderen. Polizei hier, Gaststätte dort. Kirmeseinnahmen hier, Steuern dort.
Und mittendrin die Schaephuysener aus Lind, die irgendwie zu beiden Seiten gehörten.
Was heute wie eine völlig normale Ortslage aussieht, war einmal ein kommunalpolitischer Dauerbrenner.
Und Schaephuysen hatte dabei tatsächlich ein Stück des heutigen Tönisbergs zu verteidigen – bis es dieses Stück 1929 schließlich doch abgeben musste.
Kaplan gegen Bürgermeister
Als in Rheurdt und Schaephuysen die Dorfpolitik plötzlich spannend wurde
Heute klingt es fast ein wenig unglaublich: Vor gut 100 Jahren konnte ein Streit um einen Zeitungsartikel, eine Gemeinderatswahl und die Frage, wer im Dorf eigentlich das Sagen hat, eine ganze Verwaltung beschäftigen.
In Rheurdt und Schaephuysen war genau das der Fall.
Die Hauptdarsteller:
Kaplan Jakob Hünnekens und
Bürgermeister Josef Wiedenbrüg. Zwei Männer, die politisch kaum unterschiedlicher hätten sein können – und die sich offenbar nicht besonders gut verstanden.
Ein Bürgermeister, der gerne das Sagen hatte
Josef Wiedenbrüg war seit 1891 Bürgermeister von Rheurdt und Schaephuysen. Er stammte aus einer Familie, in der das Bürgermeisteramt schon fast zum Familienberuf geworden war. Politisch war er konservativ, kaisertreu und eher ein Freund klarer Verhältnisse.
Und Wiedenbrüg verstand offenbar wenig von moderner Bürgerbeteiligung.
Später wurde über ihn berichtet, dass er nicht gerade zu den beliebtesten Bürgermeistern gehörte. Seine Personalakte enthält sogar mehrere Beleidigungsklagen gegen Bürger – unter anderem, weil diese es versäumt hatten, ihn zu grüßen.
Man darf also vermuten: Harmonie war nicht unbedingt seine größte Stärke.
Dann kam Kaplan Hünnekens
1907 kam Jakob Hünnekens nach Rheurdt. Der Kaplan war politisch engagiert und gehörte zum sozialreformerischen Flügel des Zentrums. Er kümmerte sich um Jugendliche, gründete eine Jugendsparkasse und setzte sich für mehr politische Beteiligung der Bevölkerung ein.
Sein großes Thema: Die Dorfparlamente sollten geöffnet werden.
Denn gewählt wurde damals nach dem preußischen Dreiklassenwahlrecht. Nicht jede Stimme hatte gleiches Gewicht. Und in den Gemeinderäten saßen vielfach dieselben Leute.
Hünnekens wollte, dass sich das änderte.
Das gefiel dem Bürgermeister offenbar weniger.
Der Streit beginnt – wegen eines Sonntags
Der erste große Knall kam 1910.
Beim Bau der Kreisbahn zwischen Schaephuysen und Sevelen wurde wegen Verzögerungen auch an Sonn- und Feiertagen gearbeitet. Während des Gottesdienstes rumpelten Materialzüge vorbei, Maschinen liefen und Lokomotiven pfiffen.
Das sorgte in der katholischen Bevölkerung für Empörung.
In der Niederrheinischen Landeszeitung erschien deshalb ein Artikel mit der Überschrift „Sabbatschändung“.
Bürgermeister Wiedenbrüg war außer sich – vor allem, weil darin auch die örtliche Polizei kritisiert wurde. Und für die war schließlich er verantwortlich.
Sein Verdacht fiel schnell auf die katholische Geistlichkeit, insbesondere auf Kaplan Hünnekens.
Also ließ er Pfarrer und Kaplan kurzerhand zur Vernehmung auffordern.
Das Problem: Beweisen konnte er ihnen gar nichts.
Beide bestritten, den Artikel geschrieben zu haben.
Aus einem Leserbrief wird ein ausgewachsener Streit
Damit hätte die Sache eigentlich erledigt sein können.
War sie aber nicht.
Wiedenbrüg beschwerte sich beim Bischof, warf dem Pfarrer und dem Kaplan allerlei vor und forderte schließlich sogar die Versetzung Hünnekens'.
Die kirchliche Seite hielt dagegen. Der Landrat versuchte zu vermitteln. Der Regierungspräsident schaltete sich ein. Schließlich musste sogar der Oberpräsident in Koblenz tätig werden.
Der Bürgermeister musste seine Vorwürfe gegen den Pfarrer zurücknehmen.
Der Kaplan allerdings wurde versetzt.
Am 12. September 1910 ging Hünnekens nach Leuth.
Doch damit war die Geschichte noch lange nicht vorbei.
Denn jetzt wurde gewählt
Hünnekens hatte sich nämlich nicht nur über Sonntagsarbeit aufgeregt.
Er wollte vor allem eines: andere Leute im Gemeinderat.
Noch vor seiner Versetzung hatte er dafür gesorgt, dass eine große Versammlung stattfand. Mehr als 300 Anhänger des Zentrums kamen zusammen. Mit Fahrrädern und zu Fuß waren Unterstützer von Haus zu Haus gezogen, damit auch wirklich niemand fehlte.
Es wurden neue Kandidaten aufgestellt.
Und einer der Redner brachte die Sache auf den Punkt: Man müsse notfalls auch gegenüber Bürgermeistern und Landräten „Männerstolz“ zeigen.
Das war nun wirklich keine leise Wahlkampfbotschaft.
Rheurdt bleibt beim Alten – Schaephuysen nicht
Bei der Gemeinderatswahl im Dezember 1910 setzte sich Wiedenbrüg in Rheurdt durch.
Alle bisherigen Kandidaten wurden wiedergewählt.
In Schaephuysen sah es anders aus. Dort schafften es neue Gesichter in den Gemeinderat.
Und plötzlich war der Bürgermeister nicht mehr überall von seinen bisherigen Vertrauten umgeben.
Jetzt wurde es interessant.
Die neuen Gemeinderäte verlangten unter anderem, dass die Tagesordnung einer Sitzung rechtzeitig bekanntgegeben wurde und dass die Öffentlichkeit anschließend über die Beratungen informiert werden sollte.
Heute völlig normal.
Damals offenbar revolutionär.
Wenn der Gemeinderat plötzlich in der Zeitung steht
1911 eskalierte der Streit erneut.
Die neuen Gemeinderäte sorgten dafür, dass Sitzungen ordnungsgemäß angekündigt und darüber in der Presse berichtet wurde.
Das gefiel Wiedenbrüg und seinen Anhängern überhaupt nicht.
Die Niederrheinische Landeszeitung veröffentlichte daraufhin keine Sitzungsberichte mehr.
Doch damit war das Thema erst recht in der Zeitung.
Das Niederrheinische Tageblatt griff die Sache auf, später berichtete sogar die renommierte Frankfurter Zeitung darüber.
Aus einem Streit im kleinen Dorf war inzwischen eine Pressefehde geworden.
Und dann kam noch ein besonders brisanter Vorwurf hinzu: Kritische Gemeinderatsmitglieder und Gewerbetreibende seien plötzlich deutlich höher besteuert worden. In einem Fall soll sich die Veranlagung sogar verdoppelt haben.
Ob Zufall oder Vergeltung – darüber stritten die Zeitgenossen bereits damals.
Und der Kaplan bekam das letzte Wort
Drei Jahre später war der Streit längst Geschichte – zumindest fast.
Jakob Hünnekens hatte inzwischen einen gewissen Abstand gewonnen und nahm die Ereignisse mit Humor.
1914 veröffentlichte er eine satirische Ballade mit dem Titel „Die Kükliner Panzerplatten“.
Darin nahm er den Bürgermeister und dessen Gemeinderat ordentlich aufs Korn.
Über den Gemeinderat schrieb er sinngemäß, Wiedenbrüg habe es geschafft, aus seinen Räten besonders willige und selten widerspenstige Menschen zu machen.
Ein literarischer Seitenhieb – mit ziemlich langer Lunte.
Was vom Streit blieb
So kurios der ganze Konflikt heute wirkt: Hinter dem persönlichen Streit steckte eine durchaus wichtige Entwicklung.
Es ging um die Frage, wer in einer Gemeinde mitreden durfte, wie transparent ein Gemeinderat arbeiten sollte und wie viel Einfluss ein Bürgermeister auf die örtliche Politik haben konnte.
Für Schaephuysen war der Streit besonders interessant. Denn dort zogen 1910/11 tatsächlich neue Gesichter in den Gemeinderat ein und sorgten dafür, dass Sitzungen und Entscheidungen stärker in die Öffentlichkeit rückten.
Damit hatte Kaplan Hünnekens zwar nicht jede Wahl gewonnen.
Aber er hatte etwas in Bewegung gesetzt.
Und vielleicht ist das die schönste Pointe dieser Geschichte:
Der Kaplan wurde versetzt – die Idee von mehr Öffentlichkeit blieb.
Töpfchens Reise-Abenteuer
Von Hermann Heidenstecker, Moers
Eine Geschichte, die zwischen Moers und Rheurdt passierte.
Gretchen ist etwas aufgeregt. Kein Wunder, denn so eine Reise ist gewiß nicht etwas Alltägliches; noch dazu, wenn es in die Heimat geht. Gretchen stammt aus einem kleinen Dorf im Kreise Moers, wo ihre Eltern einen Hof haben. Gewiß, es fiel ihr damals, als sie mit ihrem Fritz Hochzeit machte, recht schwer, von ihrer lieben niederrheinischen Heimat Abschied zu nehmen und ihrem Fritz nach dem Hessenland zu folgen. Anfänglich hatte sie ja auch wohl Heimweh; aber als sie sich an die ihr neue Landschaft und ihre Menschen gewöhnt hatte, kam sie darüber hinweg. Und nun war auch ihr Fritz, wie so viele deutsche Männer, dem Rufe des Führers gefolgt und trug seit einiger Zeit den feldgrauen Rock. Gretchen war jetzt mit ihrem zweijährigen Buben allein. Aber dann kam ein Brief ihres Vaters. Ob Gretchen nicht Lust habe, für die Zeit des Krieges nach Hause zu kommen und auf dem Hof zu helfen, denn jede hilfreiche Hand sei willkommen. Und Gretchen antwortet ohne langes Besinnen, daß sie gerne kommen und helfen würde.
Gretchen steht nun mitten in den Reisevorbereitungen. Was da nicht alles zu bedenken ist. Wie freut sie sich darauf, auf dem Elternhof zu helfen. Fast drei Jahre ist sie vom Niederrhein fort. Und was wird ihr Bübchen wohl zu dieser ihm neuen Umgebung sagen? Sie sieht ihren Jungen schon hoch zu Roß vom Großvater aufs Feld mitgenommen, sieht ihn jauchzend zwischen dem Hühnervolk herumjagend und sich mit dem Hofhund tollend. Bild um Bild malt sie sich aus.
Doch dann fällt ihr plötzlich etwas ein: Was mache ich nur mit Bübchen, wenn er unterwegs, mal muß? Er ist doch so an sein Töpfchen gewöhnt, daß er gar nicht zu bewegen ist, anderswie.. Sie beschließt, das Töpfchen einfach mit auf die Reise zu nehmen. Aber, bedenkt sie, wie mache ich das nur, um es immer schnell bei der Hand zu haben? Auch da weiß sie schnell Rat. Sie wird eben den kleinen Koffer mitnehmen, in dem Fritz seinen Zylinder aufbewahrt. Sie wird eben diese Zylinder-Schachtel gut mit Papier ausfüttern, daß sie gar keinen Schaden leidet.
So ist Gretchen auch diese Sorge los. Und unterwegs beweist es sich, daß sie für die Unterbringung von Bübchens Töpfchen nichts Prahtischeres hätte finden können.
Fast sieben Stunden hat Gretchen mit ihrem Bübchen im Zug gesessen. Nun sind sie in Moers, und jetzt heißt es in die Kreisbahn umsteigen. Nur noch eine halbe Stunde, dann ist sie zu Hause. Hilfreiche Hände bemühen sich um ihre Koffer und so sitzt sie bald im luftigen und hellen Abteil eines Kreisbahnwagens.
Wichtig schnauft sich der “Feurige Elias" durch die ihr vertraute Landschaft. Wenig hat sich geändert, fast alles ist noch so, wie sie es vor drei Jahren zum letzten Male gesehen hat. In Hülsdonk steigen ein Mann und eine Frau ein, die neben Gretchen mit ihrem Bübchen Platz nehmen. Beide sind festlich angezogen. Sie wollen zur Kindtaufe nach Vluyn. Der Mann stellt seine Zylinder Schachtel in eine Ecke. Bald ist Gretchen mit ihnen in ein Gespräch verfangen.
Sie freut sich, endlich mal wieder das heimatliche Platt zu hören und ist begierig auf Neuigkeiten, die sich hier in der Heimat zugetragen haben. So vergeht die Zeit recht schnell und als draußen der Schaffner, „Vluyn" ruft, da springen die Frau und der Mann eilig auf, denn ihre Fahrt ist ja nun zu Ende. Schnell wünschen sie Gretchen noch weitere gute Fahrt, der Mann greift nach der Zylinder-Schachtel und schon sind sie durch die Tür verschwunden.
In Rheurdt wird Gretchen auf dem Bahnhof erwartet. Der Vater steht da im grünen Lodenanzug und schaut erwartungsfroh nach Gretchen aus. Und dann hat er sie entdeckt. Herzlich ist die Begrüßung. Sein besonderes Interesse gilt Bübchen. Zwar sträubt sich der kleine Bursche etwas, als der Opa ihn auf den Arm nimmt. Dann scheint er sich damit abzufinden, denn er hat schließlich bei seinem Großvater etwas entdeckt, das er unbedingt untersuchen muß. Es ist Opas Schnurrbart, der ihm merkwürdig vorkommt. Erst tastet er vorsichtig mit ungeschickten Fingern, dann wird er mutiger und greift fest zu. Doch das Ding im Gesicht des Großvaters scheint so fest zu sitzen, daß er jetzt mit Gewalt daran zieht. Über Opas Gesicht glänzt ein Lachen. So ein Bursche.
Dann sind die Koffer und auch Gretchen mit ihrem Bübchen auf dem kleinen Wagen schnell verstaut, Opa knallt die Peitsche und die alte Liese, die nun an die 15 Jahre auf dem Hofe Dienst tut, setzt sich in gemütlichem Zockeltrab in Bewegung.
Was hast du denn da in der Schachtel? fragt der Vater Gretchen. Und Gretchen erklärt ihm schnell das Geheimnis des Zylinderbehälters, daß Vater in ein schallendes Gelächter ausbricht und die alte Liese erschreckt in eine schnellere Gangart verfällt.
Eine Viertelstunde später sitzt Gretchen mit ihrem Bübchen und mit ihren Eltern am Kaffeetisch. Sie haben sich viel zu erzählen. Gretchen kramt den letzten Feldpostbrief von Fritz hervor, Vater berichtet von seiner Arbeit auf den Feldern und Mutter freut sich schon auf Gretchens Hilfe in Haus und Garten. Mitten in dieses Gespräch schallt plötzlich Bübchens energischer Ruf, Bübchen muß mal, was natürlich Gretchen veranlaßt, eilig aufzustehen, um die Zylinderschachtel zu öffnen und Bübchens Töpfchen hervorzuholen. Aber was ist das? Auf Gretchens Gesicht malt sich Erstaunen und Erschrecken: In der Zylinder Schachtel befindet sich ein richtiger Zylinder. Wie ist das möglich? Wo ist nur Bübchens Töpfchen? Gretchen ist einfach fassungslos. Vaters Gelächter will nicht verstummen, Mutter aber eilt mit Geschwindschritt davon, um Ersatz zu holen.
Wo ist denn nur das Töpfchen? Aber dann glaubt sie hinter des Rätsels Lösung zu kommen. Sie erinnert sich an das Ehepaar aus Hülsdonk, das zur Kindtaufe nach Vluyn wollte. Der Mann hatte doch eine Zylinder-Schachtel bei sich und sie dann sicherlich in der Eile des Aussteigens vertauscht. Vater kann nicht ernst bleiben. So gelacht hat er schon lange nicht mehr. Was wird der Mann wohl gedacht haben, als er die Schachtel öffnete und den vertauschten Inhalt vorfand?
Am anderen Tage macht sich der Vater auf und fährt nach Vluyn, um den Zylinder gegen das Töpfchen seines Enkels wieder umzutauschen. Es macht ihm auch keine Mühe, in Vluyn festzustellen, wer dort Kindtaufe feiert. Und so findet er das richtige Patenpaar, das sich die Verwandlung des Zylinders gar nicht hatte erklären können.
Das Abenteuer des Töpfchens aber ist damit beendet. Bübchen hat sein Töpfchen wieder und der Niederrhein ist um ein lustiges Vertellken reicher geworden.
Die Schlacht am Hahnenberg
VON JOSEF REDDIG, RHEINHAUSEN aus dem Jahr 1955
Von Schaephuysen aus bin ich den Höhenzug hinangestiegen und über den Mühlenberg zum Hahnenberg gelangt. Nun sitze ich hier am Abhang zwischen Heidekraut, Ginster und Gebüsch und blicke den Hohlweg hinab, der zur Landstraße führt. Formenreiches Gewölk, vom blendenden Weiß bis zum düsteren Blaugrau, zieht über das Land dahin. Ein leichter Wind biegt die Spitzen der jungen Birken und raschelt im Gestrüpp. Sonst ist es still und einsam hier oben. Am Fuße der Höhen braust ab und zu ein Auto oder Motorrad über die Landstraße. Menschen sieht man selten.
Ich sitze hier allein auf der Höhe und meine Gedanken gehen weit zurück, zwanzig und mehr Jahre. Vergeht das Leben so schnell? Vergangene Zeit wird wieder lebendig. Bilder aus ferner Jugend treten vor meine Augen; als wäre alles erst vor kurzem gewesen. Kommt da nicht eine Schar fröhlicher, lärmender Jungen den Hohlweg hinaufgezogen? Einen nach den anderen erkenne ich: Bruno, Peter, Hans und alle die anderen. Doch der Wind weht sie alle fort. Es waren nur Geister — Tote ...
Und ich sitze hier, einer der Getreuen, einer der alles überlebte. Ein Überbleibsel einer vergangenen Zeit. Ich denke mit leiser Wehmut zurück an jene Tage, da das Leben noch voller Erwartung, Freude und Zuversicht war; als das fröhliche Spiel und die Freude am Erlebten noch keine Schatten kannten.
Wie kam alles anders. Wie schnell wurde Ernst aus dem Spiel, und was ist aus alledem geworden?
Selbst der Wind findet nicht mehr die Stätten der Toten.
Meine Gedanken kehren wieder zurück zu jenem sonnighellen Frühlingstag vor mehr als zwanzig Jahren. Unsere Wandergruppe, die sich „Kreuzfahrer" nannte, hatte für Ostern eine viertägige Wanderung in die Leucht geplant. In der Frühe des Karfreitags waren wir von Rheinhausen aufgebrochen und über Kapellen, Tönisberg nach Schaephuysen marschiert. Wir waren damals noch Schuljungen. Die andere Hälfte unserer Gemeinschaft waren Burschen, welche bereits die Schule verlassen hatten. Zu der Zeit wurde noch größtenteils zu Fuß gewandert. Erst als wir aus der Schule waren, wurden die Radtouren modern.
Uns machte das Wandern Spaß. Voran wehte das große Banner, begleitet und stürmten Ios damit, die andere Seite von zwei kleineren Fähnlein. Ein Klampfenspieler gab die Lieder an und wir sangen die alten Landsknechtlieder, vom Reiten und Streiten, von Sieg und von Tod ...
Gegen Mittag erreichten wir den Hahnenberg. Hier wurde gerastet. In einer Schlucht wurde der Lagerplatz eingenommen und dreißig Knaben und Burschen tummelten sich umher. Jeder hatte seine Beschäftigung. Es wurde Holz gesammelt und Feuerstellen errichtet, Wasser und Milch geholt, und bald brodelte der Griesmehlbrei. Während die meisten der Buben den Brei umstrichen, der unter ständigem Rühren seiner Vollendung entgegenkochte, geschah etwas Sonderbares. Oben am Rande der Schlucht erschienen plötzlich zwei Gestalten im grauen Fahrtenhemd. Kerle von etwa 18 Jahren. Sie kamen zu uns hinab, und ein paar Neugierige befanden sich gleich mit ihnen im Gespräch. Die beiden erzählten, daß sie Pfadfinder aus Duisburg seien und sich auch auf Osterfahrt befänden. Jäh brachen sie auf einmal das Gespräch ab, und ehe wir uns versehen hatten, rissen sie zwei Fahnen aus der Erde und stürmten los damit, die andere Seite der Schlucht hinauf und davon. Wir waren zu sehr überrascht, um zu handeln. So bekamen die zwei einen guten Vorsprung. Aber dann, als wir begriffen, was geschehen war, brach die wilde Jagd los. Alles rannte hinter den geraubten Fahnen her, voran der rothaarige Jupp, die „Rote Panne" unter uns genannt. Wie ein Indianer schwang er das Beil, mit dem er zuvor Holz zerkleinert hatte.
Aber die Grauen waren schlau zu Werke gegangen. Auf der Höhe hatten sie eine Staffel aufgestellt. Die Fahnen wurden immer an zwei Läufer weitergegeben. Weiter ging die Hetzjagd, um den Berg herum, übers Feld. Uns blieb bald die Puste aus. Dann sahen wir das große Zeltlager der Pfadfinder am Windberg. Dort verschwanden unsere Fahnen. Die Grauen standen in Verteidigungsstellung vor ihrem Lager, und bald tobte die Schlacht in Form einer wilden Rauferei. Aber sie waren uns an Zahl und Stärke überlegen, und so zogen wir uns unverrichteter Dinge zu unserem Lagerplatz zurück.
In der Aufregung hatten wir alle das Essen vergessen und der schöne Brei war angebrannt. Jedoch bei unserem Hunger schmeckte er noch großartig. Dann spülten wir das Geschirr und scheuerten die Hordentöpfe mit Sand blank. Was aus den Fahnen werden sollte, wußten wir noch nicht. Endlich erschienen wieder zwei von den Grauen. Sie überbrachten eine Botschaft. Willi entfaltete das Schreiben, das mit einem Totenkopf versehen war, und las: „Die geklauten, leider geweihten Fahnen werden um drei Uhr in euer Lager zurückgebracht."
Wir ruhten abmarschbereit in der warmen Aprilsonne. Dann kamen die Pfadfinder in Reih und Glied, ein langer Zug, in die Schlucht einmarschiert. Voran wehte ihr stolzes Banner, und am Schluß trugen zwei Mann unsere Fahnen. Wir standen neugierig umher und betrachteten den im Gleichschritt nahenden Zug. An unserer Kochstelle angelangt, hielt er an. Der Stammführer der Pfadfinder trat hervor und sprach zu uns. Er sagte, daß solche Beutezüge zu ihrer Ausbildung gehörten und sie darum oft solche Überfälle unternähmen. Dann schleuderten die beiden Träger unsere Fahnen zu uns herüber. Stolz singend zog das graue Heer über den Berg in sein Lager zurück. Wir aber zogen unsere Straße weiter, die Fahnen voran, singend und lärmend der Leucht entgegen. —
Ja, wie oft sind wir geschritten. So sangen wir und wanderten auch bei Sonne und Regen, bei Sturm und Schnee. Wir saßen am Lagerfeuer und schliefen im Zelt in der Osternacht wie in der Silvesternacht. Für uns gab es nichts Schöneres, als wenn im dunklen Wald der letzte Ton der Klampfe verklang und wir ins Zelt krochen, von großen Taten träumend.
Aber alles kam anders. Eine neue Jugend marschierte auf den deutschen Straßen. Man verbot unsere Gemeinschaft, stürmte unser Heim und zerrte uns vors Gericht. Jedoch die Getreuen zogen kein Braunhemd an. Tief im Dunkel der Leucht erklang noch immer das Lied von der wahren Freundschaft, die nicht wanken soll.
Und die Gruppe, die bis auf ein Dutzend Burschen zusammengeschmolzen war, sang beim Schein des verglimmen-den Feuers: „... wenn der Tod mir nimmt das Leben, hör' ich auf, getreu zu sein ...!"
Die Trommeln hatten nicht umsonst geschlagen. Aus dem Spiel wurde Ernst. Soldaten marschierten wieder. Auch wir waren dabei. Hatten wir uns früher oft für einen Landsknechthaufen gehalten, wenn wir durch das Land zogen, so waren wir nun wirkliche Söldner; Soldaten, die für die Heimat in den Krieg zogen. Wie wir es gewohnt waren, marschieren, zelten, wachen und kämpfen — nun aber auf Leben und Tod.
Und der Tod zerriß die Schar der Getreuen. Willi fiel als erster vor Warschau. Und dann folgte einer nach dem anderen. Ich sehe mich noch sitzen, am Kaminfeuer eines russischen Hauses am Wolchow. Den Brief las ich mehrmals und konnte die Nachricht nicht fassen: Bruno bei Weliki Luki gefallen, Hans am Ilmensee, Peter vor Stalingrad. Und Monate später: Erwin über Holland abgeschossen, Georg im Lazarett verstorben, Gerhard und Bruno im Westen gefallen ... „... bis der Tod mir nimmt das Leben, hör' ich auf, getreu zu sein ..."
Über die Höhen pfeift der Wind wie damals. Der Berg, die Schlucht, das ist alles noch wie früher. Doch die Gefährten meiner Jugend sind längst nicht mehr. Die Überlebenden sind zerstreut. Das Leben geht weiter und gibt uns andere Aufgaben.
Kein Denkmal, keine Tafel kündet von unseren Jugendfreunden. Sie sind vergessen, die für ein sogenanntes Vaterland fielen. Nur in den Herzen der Getreuen leben sie noch fort, die einstens die freudvollen Tage der Jugend mit ihnen teilten und dann das Opfer eines unsinnigen Krieges wurden.
Unten am Berg, auf der Landstraße, radelt eine Gruppe junger Burschen munter redend dahin. Ja, freue dich noch, lebensfrische Jugend. Erlebe die Heimat und vergnüge dich im frohen Spiel. Denn wer weiß, über wen von euch schon wieder das Birkenkreuz schwebt.
Schaephuysener Gemeindenotizen aus dem 19. Jahrhundert
VON JAKOB TEILMANS, SCHAEPHUYSEN
Als in Frankreich im Jahre 1789 die große Revolution ausbrach, kam auch für den Niederrhein eine Zeit der Not und Armut. Frankreich begann im Jahre 1792 einen Krieg gegen Deutschland. Im Dezember des gleichen Jahres überfielen Frankreichs Truppen Belgien und die Niederlande und standen schon bald vor Venlo und Geldern. Am 17. Dezember 1792 besetzten sie Aldekerk. Am folgenden Tage zog eine Abteilung über Schaephuysen nach Moers, eine andere über Rheurdt nach Camp. Ihre Vormarschwege wurden durch Brand, Plünderung und Mord gekennzeichnet. Dem Gelderland wurde eine hohe Contribution von 200 000 Gulden auferlegt. Dazu mußte Schaephuysen 3800 und Rheurdt 3050 Gulden beitragen. Die Gemeinden waren arm und nicht in der Lage, das Geld so schnell wie verlangt aufzubringen.
Sie wurden gezwungen Geldanleihen zu machen, dadurch wurden die Verschuldungen immer größer. Die Freude darüber, daß die Franzosen 1793 zurückgedrängt wurden, war nicht von langer Dauer. Im Oktober 1794 wurden die Deutschen geschlagen und die Franzosen besetzten erneut das Rheinland. Eine zwanzigjährige Besatzungszeit war die Folge. Die Franzosen fühlten sich als Befreier des Rheinlandes und wollten es den Bewohnern auch deutlich machen. In allen Ortschaften wurden Freiheitsbäume mit der französischen Trikolore aufgestellt. In Schaephuysen stand dieser vor dem Hause des Schreiners Dahmen gegenüber dem Schmied Kluthen, also vor dem heutigen Hause Elbers (Ecke Haupt- und Tönisberge Straße). Schmied Kluthen ist das heutige Schuhgeschäft Peter Minten.
Im Baseler Frieden 1795 verzichtete Preußen auf seinen Besitz am linken Rheinufer. Die preußische Regierung unter ihrem Präsidenten von Stein war von Kleve aus über den Rhein nach Emmerich ausgewichen. Nach dem Frieden von Luneville im Jahre 1801 schloß Napoleon das linke Rheinland an Frankreich an. Er begann, die eroberten Gebiete neu zu ordnen. Es war wohl die größte Gebiets- und Verwaltungsreform, die es je gab. Im linken Rheinland verschwanden rund hundert Herrschaftsbereiche weltlicher und kirchlicher Art. Die Bürger wurden den Franzosen gleichgestellt. Dadurch gab es keine Leibeigenschaft und keine Frondienste mehr. Der Jubel unter der Bevölkerung war groß. In dieser Zeit erhielt Schaephuysen auch seinen ersten Maire (Ortsvorsteher, Bürgermeister), der die Gemeinde zu vertreten hatte. Dieses Amt wurde zuerst vom Scheffen Bosch von 1794 bis 1808 ausgeführt. Sein Nachfolger wurde der Scheffe Johann Smitmans. Er verwaltete dieses Amt bis 1815 und blieb dann auch unter preußischer Verwaltung Bürgermeister bis 1823. Er wurde 1816 zum Kreisdeputierten gewählt und behielt dieses Amt bis 1847. Er war gebürtig aus Winternam und vermählte sich am 9. Februar 1798 mit Maria Sibilla Klouten. Sie bewirtschafteten den Hof an der Kirche (heute Familie Franz-Jakob Haever).
Da alle Gemeinden durch die Geschehnisse vergangener Jahre hohe Schuldenlasten zu tragen hatten, wurde von der preußischen Regierung eine Sonderkommission für Schuldentilgung eingerichtet. Diese hatte die Aufgabe, den Gemeinden zu helfen, um die Schulden so schnell wie möglich zu tilgen. Mit Genehmigung der preußischen Regierung konnte Gemeindegrund verkauft werden zum Zwecke der Schuldabtragung. Der Bürgermeister Johann Smitmans hat einige Geschehnisse aus dieser Zeit schriftlich festgehalten. Leider sind nur noch zwei Schriftseiten vorhanden. Zur Schuldentilgung schreibt er folgendes: „1818 den 30. und 31. Oktober und den 3. und 4. November hat die Schaephuysener Gemeinde über 900 Morgen Gemeinde-Bruch-Gründe verkauft." Der Verkaufswert ist nicht angegeben. „1826 sind unsere Berge verkauft worden." Der Gemeindegrund konnte von jedem Bürger erworben werden. In den Verkaufslisten werden Namen aus allen Berufsständen erwähnt. Weiter schreibt er: „1836 ist die Schaephuysener Straße gepflastert" (von der jetzigen Kreissparkasse bis zur Grenze Schulhof-Friedhof). „1842 ist der Anfang von dem neuen Schulbau gemacht. 1844 den 4. Januar wurde sie eingeweiht und bezogen." Die erwähnte Schule stand auf dem jetzigen „Bürgermeister-Heinrich-Beelen-Platz". Sie wurde 1965 abgebrochen. „1842 ist der neue Weg von der Schule ab nach Vluyn gebaut. 1844 ist eine neue steinerne Brücke an der Landwehr am Teilmans Bend (Wiese) gemacht für den Preis von 175 Taler" (Landwehrbrücke B 60).
Wie wir aus einer früheren Veröffentlichung wissen, hat vor unserer jetzigen Windmühle (Michaelsturm) dort eine Bockwindmühle gestanden. Zum Bau dieser Bockwindmühle schreibt Smitmans bezüglich der Abmachung mit dem Mühlenbauer folgendes: „1802 den 20. Februar haben die Mühlendeputierten Männer Arnold Reuvers, Anton Delmans, Heinr. Hoever, Joh. Smitmans, M. Kluten, Peter Born, Heinr. Hollanders und H. Bosch mit dem Mühlenmeister Kranen van het Hörstgen folgende Abmachung getroffen, um eine Kasten-Windmühle auf dem Berg auf Schmitz Drisch zu bauen, für den Preis von 6800 Taler, mußt folgend der Abmachung den 20. November 1802 fertig und gangbar sein." Durch diese paar Zeilen erfahren wir zum erstenmal Datum und Erbauungsjahr dieser durch Blitzschlag beschädigten und im Jahre 1876 außer Betrieb gesetzten und später abgebrochenen Bockwindmühle.
Am 1. Januar 1824 wurden laut Verordnung der Regierung mehrere Gemeinden zu einer Bürgermeisterei zusammengelegt. Schaephuysen wurde der Bürgermeisterei Aldekerk zugeordnet. Zum Bürgermeister dieser zusammengelegten Gemeinde wurde Johann Wilh. Alsters ernannt. Er feierte im Jahre 1848 sein 25jähriges Dienstjubiläum. Die Zeitung „Geldern'sches Wochenblatt" vom 15. Januar 1848 schreibt hierzu folgendes: „Nach dem Abendgeläute am 10. dieses Monats war das sonst so stille Dorf Aldekerk in lebendiger Regung. Aus den umliegenden Gemeinden strömte Jung und Alt scharenweise dem Dorfe zu, das mit Ehrenbögen und tausend Bäumen Taxus festlich geschmückt war. Es war der Vorabend des festlichen Tages, an welchem die Gemeinden Aldekerk, Schaephuysen und Stenden ihrem verdienstvollen Herrn Bürgermeister Alsters bei Gelegenheit seiner 25jährigen Amtsausführung öffentlich Dank und Anerkennung zollen wollten." Mit mehr als 200 Fackelträgem, an der Spitze ein Musikchor, zog man vom Klosterhofe aus zum Hause des Bürgermeisters, um ihn dort zu beglückwünschen. Am Morgen des nächsten Tages gegen 9 Uhr kündete der Klang der Hörner eine Festdeputation aus Schaephuysen an, welche unter Begleitung einer Ehrengarde zu Pferde gekommen war, den Herrn Jubilar abzuholen. Er wurde vom Pastor Schaffers und der Schuljugend am Eingang des Dorfes empfangen und durch den festlich geschmückten Ort zum Hause des Herrn Smitmans (Gaststätte Haever) begleitet. Hier wurden ihm vom Gemeinderat, Kirchen- und Armenvorstand Dank und Glückwünsche entgegengebracht.
Im Jahre 1853 starb Herr Alsters. 1854 wurde Herr van Laak zum Bürgermeister gewählt. Er führte das Amt bis zum Jahre 1863. Ab 1863 wurde die Gemeinde Schaephuysen von Herrn Theodor Wiedenbrüg, Bürgermeister von Rheurdt, verwaltet. Er feierte im Jahre 1879 sein 25jähriges Dienstjubiläum. Da er auch Bürgermeister von Schaephuysen war, beschloß der Gemeinderat, diesen Tag auch im Ort festlich zu begehen. Am 10. November war das ganze Dorf festlich geschmückt. Der Jubilar wurde in einem vom Herrn Baron von der Leyen gestellten Wagen in Rheurdt abgeholt. Im Rahmen der Feierstunde wurde dem Jubilar ein Pferd als Festtagsgeschenk übergeben. Die Kosten für dieses Geschenk wurden durch freiwillige Spenden der Gemeindemitglieder bestritten. Das Festessen fand in der Gaststätte Jochems statt. Diese lag gegenüber der Einmündung der Rheurdter Straße in die Hauptstraße (B 60). Am 1. April 1891 legte Theodor Wiedenbrüg sein Amt nieder. Danach wurde sein Sohn Josef Bürgermeister von Rheurdt, Schaephuysen, Rayen und Vluynbusch. Während seiner Amtstätigkeit endete das 19. Jahrhundert.
War Napoleon in Schaephuysen?
Eine alte Linde, ein französisches Verwaltungsbüro – und eine Geschichte über Napoleon, die bis heute nicht ganz geklärt ist.
Auf dem Vorplatz der alten Kapelle und später der neuen Pfarrkirche stand in Schaephuysen jahrhundertelang eine große Linde. Sie war so bekannt, dass sie sogar einer Gaststätte ihren Namen gab: „Zur Linde“ – dem späteren Gasthaus Leemanns, heute Haever.
Und genau dieses Haus führt uns mitten hinein in eine kleine historische Rätselgeschichte.
Im September 1929 berichtete die in Geldern erscheinende „Niederrheinische Landeszeitung“ über die alte Schaephuysener Linde. Dabei heißt es, dass in eben diesem Haus um 1800 eine französische Verwaltungsbehörde ein Büro eingerichtet hatte.
Und dann folgt der bemerkenswerte Satz:
„Diesem Büro soll auch Napoleon auf seiner Durchreise von Schloss Haag bei Geldern nach hier einen Besuch abgestattet haben.“
Napoleon in Schaephuysen?
Napoleon Bonaparte hielt sich im September 1804 tatsächlich am Niederrhein auf. Am 12. September 1804 besuchte er Schloss Haag bei Geldern.Sein Aufenthalt in der Region ist damit historisch belegt.
Ob er von dort aus allerdings tatsächlich nach Schaephuysen weiterreiste, lässt sich bislang nicht nachweisen.
Auch die Suche in den französischen Verwaltungsakten hat bisher keinen zeitgenössischen Beleg gefunden, der einen Aufenthalt Napoleons in Schaephuysen bestätigt. Schaephuysen gehörte damals zum französisch verwalteten Kanton Moers und war als eigene Mairie organisiert.
Warum sollte die Erzählung 1929 überhaupt entstanden sein?
Das französische Verwaltungsbüro im späteren Gasthaus Leemanns scheint tatsächlich Teil der französischen Verwaltungsorganisation gewesen zu sein. Und Napoleon war nachweislich nur wenige Kilometer entfernt auf Schloss Haag.
Vielleicht wurde aus einem tatsächlichen kurzen Zwischenhalt im Laufe der Jahrzehnte eine lokale Erinnerung.
Vielleicht wurde aber auch nur aus der Anwesenheit einer französischen Behörde und Napoleons Aufenthalt auf Schloss Haag eine besonders schöne Geschichte.
Oder Napoleon war tatsächlich in Schaephuysen – und der kurze Besuch wurde niemals amtlich festgehalten.
Beweisen können wir das heute nicht.
Aber vielleicht liegt gerade darin der Reiz dieser Geschichte.
Denn wenn man heute an der alten Stelle der „Linde“ vorbeikommt, steht dort kein Hinweis darauf, dass hier möglicherweise einmal ein Kaiser durch die Tür gegangen sein könnte.
Vielleicht ist es nur eine alte Dorfgeschichte.
Vielleicht steckt aber auch ein kleines Stück unbekannter Geschichte dahinter.
Was glaubst Du?
Brautleute beim Standesamt Schaephuysen zum Alkoholverzehr genötigt
Die seit 40 Jahren zur Gemeinde Rheurdt zusammengeschlossenen ehemals selbstständigen Gemeinden Rheurdt und Schaephuysen waren früher zu einer Verwaltungsgemeinschaft zusammengefasst. Der Verwaltungssitz und die Wohnung des für beide Gemeinden zuständigen Bürgermeisters, des damaligen Verwaltungsleiters, befand sich in Rheurdt. Für Schaephuysen waren zwei „Beigeordnete" bestellt, die im wesentlichen die Geschäfte des Standesamtes Schaephuysen zu erledigen hatten.
Am 7. Dezember 1877 schlägt der Bürgermeister dem Landrat in Moers vor, die Stelle des 1. Beigeordneten mit dem 64-jährigen Ackerer und Wirt Mathias Jochems zu besetzen und gibt dazu folgende Erläuterungen: „Jochems gehört zu den Gebildetsten des Ortes, ist regierungsfreundlich gesinnt und hat den Bürgermeister in Verhinderungsfällen zu vertreten, hauptsächlich aber die Standesregister zu führen."
Jochems wurde daraufhin mit Wirkung vom 1. Januar 1878 vom Landrat für die Dauer von sechs Jahren zum 1. Beigeordneten bestellt; diese Bestellung wurde ab 1. Januar 1884 um sechs Jahre verlängert.
Am 5. November 1886 beantragt der Bürgermeister beim Landrat, die Bestellung zu widerrufen und gibt dazu u.a. folgende Begründung:
„Dann sind auch über Jochems als Vertreter des Standesbeamten sehr viele Klagen laut geworden, welche fast sämtlich darin gipfelten, dass er sein eigenes Interesse allzu sehr in den Vordergrund stelle. Gemeindeangehörige, welche Geburten oder Todesfälle anzumelden haben, müssen oft stundenlang warten, damit sie genötigt sind, vorher in der Wirtschaft des J. zu verzehren. Amtliche Trauungen werden von J. fast regelmäßig nicht eher vorgenommen, als bis die Brautleute mit ihren Zeugen einige Stunden in der Wirtschaft des J. gut gezecht haben."
Am 24. November 1886 reicht der Landrat das Schreiben des Bürgermeisters mit dem Bemerken zurück, „dass Jochems heute sein Amt als 1. Beigeordneter niedergelegt hat."
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