Luzie – ein Storch wird Schaephuysener


Manchmal beginnt eine Dorfgeschichte ganz unscheinbar. Nicht mit einem großen Fest, einem neuen Gebäude oder einem lange geplanten Projekt, sondern mit einem Vogel, der sich entscheidet, immer wiederzukommen.
So begann auch die Geschichte von
Luzie, der Schaephuysener Storchendame.

Luzie wurde 2002 im Zoo Rostock aufgezogen und trägt den Ring Hiddensee L975. Im Winter 2012/13 tauchte sie erstmals regelmäßig in Schaephuysen auf. Was zunächst wie der Besuch eines einzelnen Wintergastes aussah, sollte sich zu einer ganz besonderen Verbindung zwischen einem Storch und einem Dorf entwickeln.


Ein Nest für die neue Besucherin

Die Menschen in Schaephuysen beobachteten Luzie nicht nur – sie wollten ihr etwas bieten.
Bereits
2013 entstand die Idee, der Störchin eine eigene Nisthilfe zu schaffen. Mit Unterstützung von Westnetz wurde dafür ein rund zwölf Meter hoher Holzmast mit einem Metallkorb aufgestellt.
Damit hatte Luzie praktisch ihre eigene Adresse in Schaephuysen.
Aus einem zufälligen Besucher war ein Gast geworden, für den sich Menschen verantwortlich fühlten.


Aus einem Gast wird eine Bekannte


Luzie kam wieder. Und wieder.
Jahr für Jahr kehrte sie nach Schaephuysen zurück. Die Menschen kannten inzwischen ihre Gewohnheiten und warteten auf ihre Rückkehr.
Eine ganz besondere Beziehung entwickelte dabei
Rosmarie Demsing-Tessmer zu der Störchin. Sie kümmerte sich regelmäßig um Luzie und fütterte sie. Die Störchin kam teilweise sogar zweimal täglich zu ihr.
So etwas spricht sich in einem Dorf schnell herum.
Luzie war längst nicht mehr irgendein Storch, der irgendwo auf einer Wiese stand. Sie war
„unsere Luzie“.


Ein neues Nest


Mit den Jahren wurde auch die Nisthilfe weiterentwickelt. Im Jahr 2020 berichtete die Presse über „Ein neues Nest für die Storchendame Lucie“.
Auch hier engagierte sich der
Verein für Gartenkultur und Heimatpflege Schaephuysen e.V. und brachte sich in die Gestaltung und Weiterentwicklung rund um die Storchenniststätte ein.
Damit wurde aus der ursprünglichen technischen Nisthilfe immer mehr ein Stück Natur- und Heimatgeschichte.


Luzie bekommt einen Platz im Wandelweg


2021 war dann ein besonderer Moment.
Luzies Geschichte sollte nicht nur den Menschen bekannt sein, die sie zufällig auf einer Wiese oder an ihrem Nest beobachteten. Sie sollte Teil der Geschichte des Dorfes werden.
Am
Wandelweg der Artenvielfalt entstand deshalb eine eigene Informationsstation über Luzie.
Bei der Präsentation waren
Claudia Koschare und Michael Sonfeld vom VfGuH beteiligt.
Unterstützt wurde die Informationsstation durch das
Land Nordrhein-Westfalen im Rahmen einer Maßnahme des Naturschutzes und der Landschaftspflege.

Nun konnte jeder, der am Wandelweg unterwegs war, erfahren, wer eigentlich diese Störchin ist, warum sie immer wieder nach Schaephuysen kommt und welche Geschichte sie mit dem Dorf verbindet.
Aus einem Vogel war endgültig ein Teil der Dorfgeschichte geworden.


Und Luzie kam wieder


Auch das Jahr 2023 brachte wieder eine Begegnung.
Inzwischen war Luzie bereits 21 Jahre alt und kam zum elften Mal in Folge nach Schaephuysen. Im Dezember 2023 wurde ihre erneute Ankunft bei ihren Schaephuysener „Storchenfreunden“ vermeldet.
Für die Menschen im Dorf war das längst keine Überraschung mehr.
Man wartete einfach auf sie.
Und wenn Luzie wieder da war, wusste man: Unser Storch ist zurück.


Eine Geschichte über Heimat


Vielleicht ist es genau das, was Heimat ausmacht.
Heimat entsteht nicht immer durch große Dinge. Manchmal sind es die kleinen Geschichten, die Menschen miteinander verbinden.
Eine Störchin kommt immer wieder.
Menschen freuen sich darüber.
Jemand kümmert sich um sie.
Ein Unternehmen hilft dabei, eine Nisthilfe zu schaffen.
Ein Verein greift die Geschichte auf.
Menschen investieren Zeit und Ideen.
Das Land unterstützt eine Informationsstation.
Und irgendwann gehört all das einfach zum Dorf.


Luzies Geschichte zeigt deshalb auch ein Stück dessen, was Heimatpflege für uns bedeutet:


Wir wollen nicht nur bewahren, was schon da ist. Wir wollen aufmerksam sein für das, was unser Dorf besonders macht, und gemeinsam dafür sorgen, dass daraus Geschichten entstehen, die auch andere entdecken können.

Luzie hat dabei ihren ganz eigenen Platz in Schaephuysen gefunden.
Und vielleicht kommt sie ja eines Tages wieder.
Dann werden wahrscheinlich wieder einige Menschen nach oben schauen und sagen:
„Da ist sie wieder – unsere Luzie.“

 
Und die Geschichte ist noch nicht zu Ende …

Luzie ist eine jener kleinen Geschichten, die zeigen, wie aus Natur, Engagement und Gemeinschaft ein Stück Heimat entstehen kann.
Vielleicht wird diese Chronik deshalb auch noch um das eine oder andere Kapitel ergänzt.
Denn solange Luzie wiederkommt, gibt es auch etwas zu erzählen.