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Die Sassenrather Wassermühle
Mühlengraben und ehemalige Sassenrather Wassermühle
Die Sassenrather Mühle war eine Wassermühle in der Nähe des Schopmanshofes, der das Wasser durch einen etwa 600 m langen Kanal („Meulengraaf“ genannt), zugeführt wurde.
Dieser begann nördlich des Theishofes, wo die Schleuse stand, in der Nähe der nördlichen Spitze des Littardwaldes wo er aus der Niepniederung, einem urzeitlichen Rheinarm, das Wasser aufnimmt, und es der genannten Mühle zuführt, wo es sich dann wieder in die Fortsetzung dieses ehemaligen Rheinarmes ergießt.
Dieser Mühlengraben schneidet einen großen Bogen des ehemaligen Rheinarms ab und das Gefälle des Mühlengrabens ist gleich dem Gefälle des alten Rheinarms. Eine technische Meisterleistung seiner Zeit.
Die ältere Literatur geht ohne weitere Anhaltspunkte davon aus, dass es sich dabei um eine oberschlächtige Mühle - das bedeutet, das Wasser fällt von oben in das Mühlrad - gehandelt habe.
Wolfgang Dassel vom damaligen „Geologischen Landesamt" korrigierte in einem Beitrag des Gelrischen Heimatkalenders 1985: „Auf Grund des geringen Höhenunterschiedes in der Gewässerführung scheint diese Bauweise für die Sassenrather Mühle jedoch unmöglich gewesen zu sein. Technisch einleuchtender ist hier der unterschlächtige Antrieb des Wasserrades."
Diese Mühle kam 1270 von den gelderner Grafen an das Kloster Kamp, allerdings unter Vorbehalt einer jährlichen Abgabe. 1457 gehörte die Mühle immer noch dem Kloster.
Um diese Zeit aber bestand in der Vogtei Geldern der Mahlzwang, und den Bewohnern von Rheurdt und Schaephuysen wurden Hindernisse in den Weg gelegt, auf der Sassenrather Mühle mahlen zu lassen.
Der gelderner Drost Johann von Arendael und der Vogt Sander van den Eger wurden veranlaßt, gerichtlich die Mühlenbenutzer über das Mahlverhältnis der Mühle „toe Zassenrade toebehoorende den Gaedshuys van Camp" zu vernehmen.
Die „Kunden" erklärten, dass seit undenklichen Jahren die Eingesessenen von Schaephuysen und Rheurdt, welche von der „Schapenhüser Stege" - so nannte man die Straße von Schaephuysen nach Aldekerk - bis an die Grenze nach Oermten ihre Wohnsitze haben, stets ungestört auf der Mühle haben mahlen lassen.
Der Graf von Geldern gestattete das Fortbestehen dieses alten Rechtes
„Da die Vorfahren des Grafen im Kloster zu Kamp bestattet sind und diesem zu ihrem Gedächtnis die Mühle testamentarisch vermacht haben"
(Orginal: „antessyn, dat synre gnaden voiralderen greven van gelre toe camp begraven liggen ind mit der voirg. molen toe sassenrade oir memorie ind testament gemaickt hebben" )
Danach schweigen die Quellen, bis sie beim Kroatenangriff 1626 im Dreißigjährigen Krieg zerstört wurde.
Das schon Jahrzehnte zuvor ebenfalls zerstörte und damals verlassene Kloster zu Kamp scheint später seine Rechtsposition nicht mehr durchgesetzt zu haben. Jedenfalls übernahm nachweisbar ab 1673 der Geldrische Fiskus die Verpachtung; so an Peter Straetmans für eine jährliche Pacht von 41 Malter* Roggen, 21 Malter Malz und 79 Schilde (alte Währung).
Seinem Nachfolger Johann Slex wurde die Geldsumme gegen einer Erhöhung der Naturalabgaben erlassen.
Beim Abbruch des inzwischen zum Landarbeiterhaus des Hofes Schlotmann bzw. Hoenen (ursprünglich hieß der Hof Schopmans op gen Ray = Sassenray) umgebauten Gebäudes im März 1986 kamen zwei Steine mit den Jahreszahlen „1708" und „1824" zum Vorschein.
Zum letzteren Datum war der Mühlenbetrieb bereits eingestellt worden, weshalb bezweifelt werden muss, ob das noch von Fotos her bekannte Haus, das ab 1880 übrigens für einige Jahre die Gemeindeverwaltung beherbergte, überhaupt noch als „Mühle" angesehen werden kann. Das an seiner Stelle errichtete heutige Wohnhaus gibt aber in etwa die Lage der alten Mühle wieder.
*Malter = altes deutsches Hohlmaß, regional unterschiedlich, ca. 160 bis 170 Liter.
Von deinem jetzigen Standort aus, etwa 270 Meter nordöstlich in der Kamper Straße, befindet sich:
Die letzte Eller-Montan-Tankstelle der Welt
Wer heute an der Kamper Straße 70 in Rheurdt vorbeikommt, sieht zwei gelbe Zapfsäulen.
Doch diese Zapfsäulen erzählen weit mehr als die Geschichte einer alten Tankstelle.
Was nach dem Ersten Weltkrieg als Schmiede und Schlosserei begann, entwickelte sich später zu einer Autowerkstatt und Dorf-Tankstelle – über Generationen hinweg ein fester Bestandteil des Rheurdter Dorflebens.
Hier wurde nicht einfach nur Benzin verkauft. Bezahlt wurde auf Vertrauensbasis – in der Küche bei Amanda, von allen nur „Manni“ genannt. Und bevor es weiterging, blieb fast immer noch Zeit fürs Klönen, einen Kaffee und das neueste Döneken.
Viele Rheurdter verbinden diesen Ort mit der ersten Mofa, mit der klackernden Zapfsäulen-Kurbel, mit einer Zeit als der Liter verbleites Benzin noch 69 Pfennig gekostet hat oder einfach mit den beiden unverwechselbaren Originalen Hans und Manni Tooten.
1995 endete der Tankstellenbetrieb. Die Zapfsäulen verschwanden, das Podest verfiel und die Geschichte schien langsam in Vergessenheit zu geraten. Erst drei Jahrzehnte später schenkte Frank Koopmann, Urenkel des Schmieds Heinrich Tooten, seinem Vater Franz
zum 80. Geburtstag eine originale Zapfsäule aus den 1960er Jahren. Was als schräge Geburtstagsüberraschung begann, entwickelte sich Schritt für Schritt zu einem immer größer werdenden Projekt: Originalteile wurden restauriert, historische Fotografien zusammengetragen, Zeitzeugen befragt und die Geschichte der Dorf-Tankstelle Stück für Stück wiederentdeckt.
Heute stehen hier wieder die letzten bekannten Eller-Montan-Zapfsäulen. Das Duisburger Mineralölunternehmen Eller Montan verschwand im Laufe der Zeit vom Markt; seine Tankstellen wurden nach und nach unter anderen Marken weitergeführt. Mit ihnen verschwanden auch die charakteristischen gelben Zapfsäulen aus dem Straßenbild. Die restaurierte Dorf-Tankstelle in Rheurdt erinnert heute als vermutlich letzte ihrer Art an diese fast vergessene Regionalmarke.
Das Wertvollste an diesem Ort sind aber nicht die Zapfsäulen.
Es sind die Geschichten der Menschen.
Früher wurden sie hier erzählt.
Heute werden sie hier wieder erzählt.
So ist die Dorf-Tankstelle wieder das geworden, was sie schon immer war:
ein Erzählort.









